Stieglitz (Carduelis carduelis)

Foto: NABU, T. Dove

Der Stieglitz ist Vogel des Jahres 2016

Der Stieglitz ist Vogel des Jahres 2016 - NABU Baden-Württemberg


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Der NABU hat den Stieglitz zum Vogel des Jahres 2016 gekürt. In Baden-Württemberg ist der farbenfrohe Singvogel mit Ausnahme des Hochschwarzwaldes überall verbreitet und insbesondere in Streuobstgebieten zu Hause. Insgesamt leben geschätzte über 60.000 Brutpaare im Land. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die Bestände nach wie vor rückläufig sind. Deutschlandweit haben sie nach den Daten des Dachverbands Deutscher Avifaunisten zwischen 1990 und 2013 um fast die Hälfte abgenommen. In dieser Entwicklung macht sich der Verlust vielfältiger Landschaften bemerkbar.

„Stieglitze haben ganz bestimmte Ansprüche an ihren Lebensraum. Zum Brüten benötigen sie zum Beispiel hohe Laubbäume und Nahrungsquellen in 50 bis 100 Metern Entfernung vom Nest, außerdem übersichtliche Freiflächen“, berichtet der NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. „Stieglitze sind quasi Vegetarier. Sie ernähren sich fast ausschließlich von den Samen und Knospen einer Vielzahl verschiedener Blütenpflanzen, Gräser und Bäume.“ Die finden sie immer weniger, sowohl in der Agrarlandschaft als auch im Siedlungsraum, wo knapp 60 Prozent des bundesweiten Stieglitz-Bestandes leben.

In Baden-Württemberg spielen etwa 30 bis 40 Arten eine Hauptrolle bei der Ernährung. Dazu gehören zum Beispiel Erle, Birke und Apfelbaum oder Mädesüß, Sauerampfer und Ackerwitwenblume. „Vom Stieglitz bevorzugte Nahrungspflanzen finden sich oft an Gräben, Böschungen oder auf brach liegenden Flächen, die vielfach als ‚Ödland‘ abgestempelt und beseitigt werden“, sagt Bosch.

Lebensräume schaffen!

„Stieglitze mahnen uns, in Siedlungsbereichen und in der Agrarlandschaft Vorrangflächen für den Naturschutz zu fördern“, betont der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann. Mit dem Ende der obligatorischen Flächenstilllegung vor rund zehn Jahren sind zehntausende Brachflächen in der Agrarlandschaft weggefallen und damit die Lebensräume der Vögel. „Es muss ein Netz aus Blühflächen und Blühstreifen über Ackerflächen gelegt werden. Ackerbau bis an den Feldweg ist das Aus für Stieglitze. Mehr Bunt in der Agrarlandschaft ist gut für Stieglitz und Ackerhummel und für Erholung suchende Menschen“, bekräftigt Baumann. Zudem dürften Blühflächen nicht zu früh abgemäht werden, damit Distelfinken im Herbst und Winter noch Samen an Disteln und anderen Pflanzen finden.

Auch im Siedlungsbereich lassen sich die Lebensbedingungen für den Stieglitz verbessern. „Wichtig ist, in Gärten oder öffentlichen Grünanlagen gezielt samentragende heimische Pflanzen zu fördern. Städte und Kommunen können und müssen Vorbild sein: In jedem Park, entlang von Wegen und anderen öffentlichen Grünflächen können Blühstreifen angelegt werden“, sagt Baumann. „Schließlich sind bereits über die Hälfte der Stieglitze aus den Monokulturen der Landwirtschaft in Siedlungen ausgewichen.“


Hintergrund zum Stieglitz:

Seinen Namen hat der Stieglitz (auch: Distelfink) nach dem typischen Ruf „Stiglitt“. Er ist mit 12 bis 13 Zentimetern Körperlänge und 14 bis 19 Gramm Gewicht etwas kleiner und schlanker als ein Spatz. Sein Gefieder ist auffällig bunt: schwarze Flügel mit gelber Binde, rote Gesichtsmaske, weißer Bauch, erdbrauner Rücken. Der Stieglitz ist wie alle Finken ein typischer Körnerfresser und hat nur gelegentlich Kleininsekten wie Blattläuse auf dem Speiseplan. Im Gegensatz zu anderen Finkenarten zieht er auch seine Jungen kaum mit tierischer Kost groß, sondern füttert den Nachwuchs mit Samen.

(Textquelle: NABU-Presseveröffentlichung Oktober 2015).


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